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The Dresden Dolls
Yes Virginia
The Dresden Dolls sind wieder eine der Bands, die Lohnschreibern auch mit Yes, Virginia wieder viele Zeilen der Erklärung ermöglicht. Schon der Name liefert gute Ansatzpunkte, allerdings meldet ausgerechnet mtv Zweifel an, ob The Dresden Dolls mehr bedeuten könnte, als für "Durchschnittsamerikaner (...) so wunderbar europäisch" zu klingen. Und die Zeit ergänzt: "Der Name klang halt so zart nach Puppen und so beziehungsreich nach Bombenkrieg". Dort wird auch angemerkt, dass sich hierzulande bekanntlich nur noch ein gewisser Max Raabe für 20er Jahre Zeugs zuständig fühlt.
Der nächste frohe Anlass für viele Zeilen ist das klare Bekenntnis der Dresden Dolls zu Theater und Konzeptkunst- Brecht! Ja, dem TRL-Publikum muss viel erklärt werden. Wobei sich unter kunstbeflissenen Bildungsbürgern schnell Enttäuschung breit macht, wie das
Kontrastradio
dokumentiert, das sogleich "heiße Luft" feststellte. Wobei
hie
und
da
sogar genervt reagiert wurde. Aber wer braucht ständig ein Seziermesser? It's only Rock'n'Roll...
Und die breite Mehrheit feiert entsprechend, denn die Dresden Dolls sind geradezu das personifizierte Lieblingsthema des Jahres 2006: Kunst, Prog-Rock. Wer die Möglichkeit zu einem kleinen Experiment hat, verwende den Van Der Graaf Generator und von dort am besten den prophetischen Titel "Still Life"- dig that.
Die zahlreichen Beschreibungsbemühungen haben wie so oft auch heitere Aspekte:
- "Die andere Seite von Rosenstolz",
- Jim Morrison,
- alt geworden,
- Sofamusik
Die zuletzt verlinkte Seite zeigt auch nochmal, dass die Theatralik der Dresden Dolls in der Gothic-Szene gut ankommt. Dementsprechend kommt eine der besten Besprechungen von
Yes, Virginia
aus dieser Richtung. Auch wenn sich Amanda Palmer mittlerweile gegen solche Eingemeindungen wehrt.
Unter dem letzten Link wird auch erläutert, was anscheinend viele Fans des Vorgängeralbums empfinden: Dass sich vergleichsweise
wenig Neues getan hat, was selbstverständlich am inzwischen
fehlenden Überraschungseffekt
liegen dürfte.
Neutrale Abwägung
dazu aus Österreich.
Bei der Spex wird benannt, woran sich auch anderswo weniger explizit abgearbeitet wird: Der nicht ganz unberechtigte Verdacht, die Dresden Dolls könnten ein
"Novelty-Ding
mit beschränkter Halbwertzeit" sein.
Die als Referenz meist herbeizitierten White Stripes führen da völlig in die Irre, denn außer der Besetzung gibt’s da nix. Die düsterliche Lieblingsatmosphäre ist da schon die bessere Richtung: Frühe 80er- der Anklang unter den Goths ist kein Zufall. Allerdings fällt den meisten da nur Jammer-Pop Marke Cure ein. Dabei thront direkt daneben unter genauso dicker Schminke die Mutter der Grufties:
Siouxie,
die von der Stimme her auch die Mutter von Amanda Palmer sein könnte. Dann addiere ich noch Diamanda Galas
für die Basisenergie und
PJ Harvey für das Bewusstsein der Generation X und voilà...
Zum Kunst-Aspekt gibt es übrigens mal eine ganz andere Abhandlung bei
Unruhr.
Der direkte Umgang mit Theatralik und Konzeptkunst ist für mich auch der große Pluspunkt der Dresden Dolls im Vergleich zu den inzwischen wieder zahlreichen Schaffenden dieser Richtung- sozusagen das Gegenteil von Clap Your Hands Say Yeah. Außerdem hat Amanda Palmer deren Frontmann eins voraus: Humor (und zwar nicht zu knapp). Weiterer Vorzug gegenüber betulichen Kunsthandwerkerinnen wie Joanna Newsom: Sie rockt.
"Me & The Minibar"- da würde auch Cat Power mal vorbeischauen, wenn sie keine Depris hat.
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