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Joanna Newsom
Ys
Joanna Newsom ist mit ihrem Zweitwerk Ys das Konsensalbum des Jahres 2006 geglückt: Applaus vom Rolling Stone ist bei sowas logisch, Spex-Cover schon nicht mehr so und vollends erstaunlich ist, dass sich sogar das "Magazin für elektronische Lebensaspekte" genötigt sah, ein Interview mit Joanna Newsom einzukaufen, das vom Autoren anderswo zweit- und drittverwertet wurde. Immerhin klärt Joanna Newsom im zugehörigen Interview ihre eigene Position zu Folk etwas.
Wie dort schon angedeutet, bildete Ys den vorläufigen Höhepunkt der seit längerem andauernden
Folk-Welle.
Nicht zuletzt auch, weil Freak-Folk-Prototyp Bonnie Prince Billy im gleichen Jahr in ähnliche Richtung marschierte.
Die Omnipräsenz solcher Sounds veranlasste ausgerechnet die Süddeutsche zu einer bösen, aber auch sehr treffenden
Generalabrechnung,
in der Karl Bruckmaier Neo-Folk als soziales Phänomen interpretiert ("Akademiker-Pop").
Zu den wenigen Kritikern zählt auch das mixtape, wo Kai Wehmeier feststellte, dass sich Ys "nicht nur nach musikalisch ganz großem Kino an, sondern auch nach ganz zugepatschter Kunstkacke" anhört.
Zu den Problemen der Berichterstattung über Joanna Newsom gehört, dass ihr Stil die schreibende Zunft mehrheitlich zu länglichen Oden über die angebliche Einzigartigkeit verleitet. Wodurch dann prompt die Fakten aus dem Blick geraten. Das ist die taz die einzige, die das Zustandekommen des Triumvirats legendärer Produzenten korrekt wiedergibt, weil es Joanna Newsom dem Autoren höchstselbst in den Block diktierte. Wobei letzterer trotzdem noch einen Side-Gag lieferte, als er Steve Albini zum "Meister des (...) Akustiksounds" erhob. Dessen Roots kennt er offensichtlich nicht. Ausgerechnet hier ist das schon besser geglückt.
Geschichte Teil 2: Die
Einordnung
gelingt Bruno Jaschke von der Wiener Zeitung (schon allein wegen der erfreulich wenigen Worte) am besten: "Frühe Kate Bush"- das bekommen 90% der Claqueure nicht hin, wo die Kenntnisse nur bis Björk zurückreichen.
Prog- kein Wunder, dass Joanna Newsoms Werk beim
Prog-Blog
kaum Erstaunen auslöst. Wo auch der 21st Century Schizoid Man
In The Court Of The Crimson King
verweist, wo anno 1970 Lizards zugegen waren, neben denen sich Ys recht angestrengt ausnimmt.
Blieben noch ein paar treffende Sachen:
- HD Schellnack zur Harfentechnik
- Popcultures zu Van Dyke Parks und
- das Textheft von Ys hat 23 Seiten (mystische Zahl... ;-)
"Aber das hier ist ja auch kein Rock and Roll, sondern Kunstkacke. Und da darf man das!" (mixtape)
Eben: The Prog is not dead, it just smells funny, um einen historischen Pionier zu bemühen.
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