Bei meiner Info-Suche zum Thema Ping- und Trackback stieß ich auf eine kleine Diskussion von Kollegen, die schon etwas zurückliegt. Angesichts diverser Probleme und Nebengeräusche bei dieser zentralen Blogging-Technik, wurde der Gedanke aufgebracht, den von WordPress seit längerem nur noch als Anhängsel betrachteten Trackback wieder zurück ins Bewusstsein zu holen. Nicht verkehrt, aber zum Scheitern verurteilt…

Angestoßen hat diesen kleinen thematischen Ausflug Piet vom netzpanorama in einem Artikel, der sich mit einigen technischen Probs beschäftigt- die zahlreichen Kommentare zeigen auch, wie verbreitet solche Probleme sind. Zentraler Punkt hier: “Trackbacks in die Köpfe zurückholen”, was danach von Stefan und Sascha aufgegriffen wurde.
Wer vor einer längeren Disko erstmal genauer wissen will, was das alles ist und wie man das erfolgreich hinbekommt (was bei fehlender Doku kein Wunder ist), findet Erklärung bei Sascha oder noch ausführlicher bei Fachfrau Monika.
Allein diese Informationslage ist leider ein Schlaglicht auf WordPress’ halbherzige und lückenhafte Implementierung dieses wichtigen Vernetzungsmechanismus von Blogs- bei einer Software, die ihren Usern angeblich den Blogging-Alltag so unglaublich einfach machen will.

Veraltet?

Nebenbei wird auch wieder die endlose (Begriffs-)Verwirrung sichtbar, die Matt Mullenweg mit seiner fast überflüssigen und schlecht erklärten Neuerfindung des Blog-Pings angerichtet hat.
Stefan dokumentiert in seinem Beitrag per Screenshot die Ansicht von WordPress über den Trackback, der unter “Artikel erstellen” als “als Signal für ältere Blogsysteme” bezeichnet und in den zunächst nicht sichtbaren Optionen versteckt wird. Der Trackback als Wurmfortsatz der Blog-Software- überholt und überflüssig.
Außerdem wird wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass man sich mindestens hauptsächlich mit WordPress-Blogs vernetzen möchte. Eine Tendenz, die seit Jahren auch von wordpress.com verstärkt wird, wo man eine ähnliche Strategie verfolgt, wie Facebook & Co.: Alles möglichst unter der eigenen Oberfläche halten, eine eigene Galaxie bilden und den Rest des Universums möglichst aussperren.
Auch wenn ich wieder nicht verhehlen kann, dass ich sowas durchaus ärgerlich und unsympathisch finde, kann man wohl anno 2012 nur noch feststellen: Der ursprüngliche Trackback ist schon lange tot, Rettungsversuche zwecklos. Der Sieger schreibt die Geschichte und der Sieger der Blog-Software heißt nicht erst seit Gestern WordPress. Und dort wissen viele User gar nichts von diesem Thema.
(Selbst Piet beklagt hauptsächlich die oft nicht mehr reibungslose Hintergrundautomatik des Pings- und Automatik war gerade nicht die Funktion eines Trackbacks.)
Aber wie so oft:

Totgesagte leben länger

Selbst Matt Mullenweg hat sich nicht getraut, den Trackback ganz rauszuschmeißen, denn er ist sich wohl bewusst, dass ein Trackback auch in seiner Welt die einzige Möglichkeit ist, Blogs EINZELN anzupingen. Denn der dumme Pingback-Automatismus pingt nämlich alle aufeinmal oder gar keinen.
Ein Verhalten, dass an der Realität der Blogosphäre ein gutes Stück vorbei geht. Denn nicht selten begründet man unter Freunden auch mal harsche Kritik an einer Seite mit einem Link dorthin und dann will man nicht unbedingt jedesmal, dass die Gegenseite davon in Sekundenschnelle informiert wird. Vor allem auch in politischen Auseinandersetzungen ist es oft ungünstig, wenn der Gegner sofort über eine Gegenposition informiert wird. Da wird ein Link, der unter Gleichgesinnten eine nette Geste ist, im Zweifelsfall zu einer ungewollten Kriegserklärung.
Von derartigen Gedanken weiß man bei WordPress anscheinend nichts und disqualifiziert sich damit beispielsweise als Software für den arabischen Frühling.

Vielpingen ist kein Ausweg

Abseits der großen Kriegsschauplätze empfehlen mehrere der oben erwähnten Diskussionsbeiträge, zusätzlich zu WordPress’ oft wackeligem Pingback-Automatismus, auch noch manuelle Trackbacks zu setzen (oder gar noch ein paar mal auf “Aktualisieren” zu klicken). Das ist nicht überall eine gute Idee, denn aufgrund der Spam-Problematik werden nämlich Vielpinger gerade von den zentralen Pingdiensten oftmals geblockt- und dann kommen auch zukünftige Pings nicht mehr an (siehe Akismet-Problem).
In dem bei Thomas abgebildeten Eingabe-Feld für den WordPress-Trackback sieht man auch die Aussage “Du musst nichts weiter tun”
(wenn du denn Pingback-Automatismus eingeschaltet hast). Das nennt er nicht zu Unrecht Augenwischerei, denn in der real existierenden Netzwelt ist das Gegenteil der Fall. Du musst sehr wohl etwas tun- vor allem leider trotzdem bei jedem Link genau überlegen, ob du den einzelnen Autor tatsächlich benachrichtigen willst. Ist nur ein einziger dabei, der nicht angepingt werden sollte, bleibt dir nur der Ausweg, den Pingback für gesamten Artikel abzuschalten und alle anderen Links von Hand per Trackback zu pingen- von etwas anderem möchte man bei automattic nichts wissen.

Back 2 Track

Wie man sieht, gibt es durchaus noch einigen Bedarf für Trackbacks als Möglichkeit, nur einzelne Links anzupingen. Das scheint man sogar bei WordPress zu wissen, deswegen darf der Trackback dort auch noch ein Weilchen am Katzentisch sitzen.
Die Diskussion um die Rettung des Trackbacks beleuchtet für mich die blinden Flecken beim Pingback-Automatismus. Dieser wichtigen Vernetzungstechnik fehlen Konfigurationsmöglichkeiten. Die feste Verschaltung mit dem Veröffentlichungs-/Aktualisierungsmechanismus müsste dringend geändert und nur bei Bedarf zuschaltbar gemacht werden.
Weiterhin fehlt auf mehreren Ebenen Erfolgskontrolle. Gerade wenn der Ping fehlschlägt, was im wahren Blogger-Leben viel öfter vorkommt, als man das bei WordPress wahrhaben will, sollten Infos über die Ursachen zugänglich sein:
Liegt das an den eigenen Blog-Einstellungen, am Webspace-Provider oder daran, dass der angepingte Blog die Kommentare deaktiviert hat?
Und auch wenn der Ping auf technischer Ebene erfolgreich abgewickelt wurde, wäre es netter Service, wenn eine Info käme, ob und wann der Backlink auf der Gegenseite freigeschaltet wurde.
Hier lässt WordPress mit einem angeblichen Rundrum-Sorglos-Automatismus seine User im Dunkeln stehen.

Ein paar der drängendsten Probleme des Pingback-Automatismus lassen sich derzeit nur mit einem Klimmzug abschalten. Das Ping Optimizer Plugin stoppt doppeltes Pingen und liefert nebenbei auch ein kleines Log mit den zuletzt angepingten IP-Adressen, das ist schonmal die halbe Miete.
Trotzdem bleiben Lücken. Dass der Weltmarktführer einer Software, deren wichtigster Zweck womöglich die Vernetzung von Menschen ist, ausgerechnet diesen wichtigen Benachrichtigungsmechanismus auch 10 Jahre nach seiner Erfindung in bestenfalls halbfertigem Zustand belässt, ist kein Ruhmesblatt.
Die Ironie der Geschichte ist, wie Piet gründlich untersucht hat, dass der manuelle Trackback oft zuverlässiger arbeitet, als der technisch auf mehreren Ebenen anfällige Pingback-Automatismus.
Aber das ist eine andere Geschichte.

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